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Aktuelle Literatur zu psychologischen Auswirkungen der Corona-Krise

Die Corona-Krise belastet die Menschen weltweit auch psychologisch. Es erscheinen beinahe tägliche neue Studien dazu. Auch wir als Leibniz-Institut für Resilienzforschung forschen daran.

Wir sichten kontinuierlich neue Veröffentlichungen und stellen hier eine Auswahl vor.

Psychologische Auswirkungen auf die Allgemeinbevölkerung

Rigotti T, De Cuyper N, Sekiguchi T (2020) The Corona Crisis: What can we learn from earlier studies in Applied Psychology?. Journal of Applied Psychology - Editorial. doi: 10.1111/apps.12265

Editorial von April 2020 zu einer Sammlung von 7 Veröffentlichungen der letzten 15 Jahre zu angewandter Psychologie, die vor dem Hintergrund der derzeitigen Krise relevant werden. Zu 5 Themenkreisen in Zusammenhang mit sozialer Distanzierung werden Informationen und Empfehlungen gegeben, etwa Motivationsfaktoren für Veränderungen des Gesundheitsverhaltens,  Empfehlungen zur Förderung des Arbeitsklimas in virtuellen Arbeitsgruppen, zur besseren Bewältigung von Konflikten zwischen Beruf und Familie im Rahmen von Homeoffice, zu beruflicher Unsicherheit sowie zu Problemen für Arbeitende im Gesundheitswesen.

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Zhang Y. Ma ZF (2020) Impact of the COVID-19 Pandemic on Mental Health and Quality of Life among Local Residents in Liaoning Province, China. Int. J. Environ. Res. Public Health 2020, 17, 2381; doi:10.3390/ijerph17072381.

Nicht repräsentative fragebogenbasierte Querschnittsstudie zu psychologischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in der Allgemeinbevölkerung der chinesischen Provinz Liaoning mit 263 Teilnehmern. Umfragezeitraum vom 28.01. bis 05.02.2020. Es werden keine deutlichen psychologischen Belastungen berichtet  (mittlerer IES-Wert 13,6, 7,6% der Befragten IES>26). Als protektive Faktoren werden unter anderem gesteigerte familiäre und soziale Unterstützung, Aufmerksamkeit auf die psychische Gesundheit und Zeit zum Entspannen diskutiert.

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Cao W, Fang Z, Hou G, Mei M, Xinrong Xu X, Dong J, Zheng J (2020) The psychological impact of the COVID-19 epidemic on college students in China. Psychiatry Research 2020. doi: https://doi.org/10.1016/j.psychres.2020.112934

Fragebogenbasierte Querschnittsstudie unter 7143 chinesischen Medizinstudenten des Changzhi Medical College zu psychologischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. 21,3% der Befragten berichten über milde, 3,6% über moderate bis schwere Angstsymptomatik (Messinstrument GAD-7). Finanzielle Sicherheit und Leben in einer Großstadt oder bei den Eltern werden als protektive Faktoren identifiziert, SARS-CoV-2-Infektion bei nahestehenden Personen als Risikofaktor für Angstsymptomatik. Es zeigt sich weiterhin ein Einfluss verschiedener COVID-bezogener Stressoren.

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Huang Y, Zhao N (2020) Mental health burden for the public affected by the COVID-19 outbreak in China: Who will be the high-risk group?. Psychology, health & medicine 2020. 1-12. doi: 10.1080/13548506.2020.1754438

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen zu psychologischen Auswirkungen in der Allgemeinbevölkerung im Rahmen der COVID-19-Pandemie vom 03. bis 17.02.2020. Angstsymptome bei 35,1% (GAD-7>9), depressive Symptome bei 20,1% (CES-D>28) und eingeschränkte Schlafqualität (PSQI> 7) bei 18,2% der Befragten.  Kein Geschlechterunterschied. Jüngeres Alter und Gesundheitsberufe werden als Risikofaktoren, täglich mehrstündiges Nachdenken über COVID 19 als Risikofaktor bei Risikogruppen identifiziert.

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Liu N, Zhang F, Wei C, et al (2020) Prevalence and predictors of PTSS during COVID-19 outbreak in China hardest-hit areas: Gender differences matter. Psychiatry research 2020. 287: 11292. doi: 10.1016/j.psychres.2020.112921

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen zu posttraumatischer Symptomatik in der Allgemeinbevölkerung in Wuhan und Umgebung im Rahmen der COVID-19-Pandemie. Umfragezeitraum vom 30.1. bis 8.2.2020. 7% der Befragten berichten über posttraumatische Belastungssymptome (nach DSM-5-Kriterien). Belastungssymptome sind häufiger bei Frauen. Eine Assoziation mit der Schlafqualität wird identifiziert.

 

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Brooks SK, Webster RK, Smith LE, Woodland L, Wessely S, Greenberg N, Rubin GJ (2020) The psychological impact of quarantine and how to reduce it: rapid review of the evidence. Lancet. 395: 912–920. doi: 10.1016/S0140-6736(20)30460-8

Übersichtsarbeit über psychologische Auswirkungen von Quarantäne basierend auf 24 von 3166 in 3 Datenbanken gefundenen Referenzen, die sich auf Studien zu früheren Pan- und Epidemien beziehen. Negative psychologische Effekte von Quarantänesituationen werden berichtet, etwa depressive und  posttraumatische Belastungssymptome. Auch langfristige Auswirkungen treten auf.  Als Stressfaktoren werden lange Quarantänedauer, Angst vor Infektion, Frustration, Langeweile, unzureichende Versorgung und Information, finanzielle Verluste und Stigmatisierung genannt.  Es ergeben sich in der Konsequenz verschiedene Empfehlungen,  im Mittelpunkt stehen dabei eine Limitierung der Quarantänedauer, transparente Erklärungen und Information bei Quarantänemaßnahmen, Verfügbarkeit von Kommunikationsmöglichkeiten und eine ausreichende Grundversorgung.

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Ozamiz-Etxebarria N, Dosil-Santamaria M, Picaza-Gorrochategui M, Idoiaga-Mondragon N (2020) Stress, anxiety, and depression levels in the initial stage of the COVID-19 outbreak in a population sample in the northern Spain. Cad Saude Publica. 2020;36(4):e00054020. DOI:10.1590/0102-311x00054020

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen zu psychischer Belastung während der COVID-19-Pandemie in der nordspanischen (baskischen) Allgemeinbevölkerung mit 976 Teilnehmern. Umfragezeitraum 11. bis 15. März 2020. Es zeigen sich insgesamt geringere Werte für Depressivität sowie Angst- und Stresssymptomatik (Messinstrument DASS-21) als in einer zum Vergleich herangezogenen chinesischen Studie.

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Hahad O, Gilan D, Daiber A, Münzel, T (2020) Public mental health: A key factor in dealing with COVID-19. .

Empfehlungen zum Umgang des öffentlichen Gesundheitswesens mit psychologischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie basierend auf Studien zu früheren Pan- und Epidemien und internationalen Empfehlungen.

Die aktuelle Bedrohung durch COVID-19 und die getroffenen Eindämmungsmaßnahmen können zu verschiedenen psychologischen Belastungen führen, wobei einige Risikogruppen besonders gefährdet sind. Angstbezogenes Verhalten kann außerdem die Bekämpfung von Pandemien beeinträchtigen. Für die Zukunft empfohlen werden die Implementierung resilienzfördernder Maßnahmen (bspw. psychologischer Kriseninterventionen), in deren Mittelpunkt die Akzeptanz von negativen Emotionen, verlässliche Informationsmöglichkeiten, Förderung sozialer Unterstützung, Aufrechterhaltung der Normalität und  die Nutzung psychosozialer Unterstützungsangebote stehen sollen.

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Qiu J, Shen B, Zhao M, Wang Z, Xie B, Xu Y (2020) A nationwide survey of psychological distress among Chinese people in the COVID-19 epidemic: implications and policy recommendations. General Psychiatry. 33: e100213. doi:10.1136/gpsych-2020-100213

Erste großangelegte Studie (52 730 Teilnehmer) in der chinesischen Allgemeinbevölkerung zu psychologischen Auswirkungen während der COVID-19-Epidemie von 31.01. bis 10.02.20 via Online-Fragebogen. 35% der Befragten berichten psychologische Belastung.  Risikogruppen bzw. -faktoren sind Frauen, junge Erwachsene, Menschen über 60, hoher Bildungsstatus und Gastarbeiter. Weniger stark betroffen sind Jugendliche. Einflussfaktoren sind Region, lokale Gesundheitsversorgung und Eindämmungsmaßnahmen. Mit der Zeit sinkende Belastung.Empfehlungen: Mehr Aufmerksamkeit auf vulnerable Gruppen wie junge Erwachsene, alte Menschen, Frauen und Gastarbeiter; verbesserte Verfügbarkeit in der Gesundheitsversorgung; landesweite Koordination von psychologischer Hilfe; umfassende Krisenprävention und Interventionssysteme.

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Rajkumar R (2020) COVID-19 and mental health: A review of the existing literature. Asian J Psychiatr.. 2020 Apr 10; 52:102066. doi: 10.1016/j.ajp.2020.102066

Narrative Übersichtsarbeit über den bisherigen Stand der Veröffentlichungen zum Thema COVID-19 und psychischer Gesundheit basierend auf einer Literatursuche in der Datenbank PubMed. Eingeschlossen wurden 28 Artikel hauptsächlich aus China (4 Umfragestudien und 24 Briefe an den Herausgeber, Editorials und Kommentare), bei denen thematisch psychische Auswirkungen von COVID-19 auf Allgemeinbevölkerung, Gesundheitspersonal und Risikogruppen sowie therapeutische Interventionen und Strategien im Mittelpunkt stehen.

 

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Wang C, Pan R, Wan X, Tan Y, Xu L, Ho C, Ho RC (2020) Immediate psychological responses and associated factors during the initial stage of the 2019 Coronavirus disease (COVID-19) epidemic among the general population in China. Int J Environ Res Public Health. 17(5): E1729. doi: 10.3390/ijerph17051729

Erste Studie (Fragebogen per Snowball-Sample-Technik) zu psychologischen Auswirkungen und psychischer Gesundheit in chinesischen Allgemeinbevölkerung ca.  1 Monat nach dem COVID-19-Ausbruch (Umfragezeitraum 31.1.-2.2.2020). Mehr als 50% berichten über moderate bis schwere psychologische Auswirkungen (IES-R>33), ca. 30% über moderate bis schwere Angstsymptomatik (DASS-Anxiety-Subscore>10). Als Risikofaktoren bzw. -gruppen für stärkere psychologische Auswirkungen werden weibliches Geschlecht, Studenten, spezifische körperliche Symptome sowie subjektiv schlechter Gesundheitsstatus identifiziert. Als protektive Faktoren erweisen sich eine gute Informationslage und individuelle Vorsichtsmaßnahmen.

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Wang Y, Di Y, Ye J, Wei W (2020) Study on the public psychological states and its related factors during the outbreak of coronavirus disease 2019 (COVID-19) in some regions of China. Psychology. Psychology, health & medicine. 2020: 1-10.

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen zu Angst und Depressivität in der chinesischen Allgemeinbevölkerung während der COVID-19-Pandemie mit 600 Teilnehmern. 5,67% der Befragten berichten über milde 0,67% über moderate Angstsymptome (SAS>49/59), 14,33% berichten über milde, 2,5 % über moderate und 0,33 über schwere depressive Symptome (SDS>52/62/72). Als Risikofaktoren werden weibliches Geschlecht und Alter über 40 Jahre identifiziert.

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Petzold MB, Ströhle A, Plag J (2020) Psychische Belastungen können reduziert werden. Dtsch Arztebl. 117(13): A-648 / B-552

Zusammenfassung internationaler Empfehlungen zum Umgang mit psychosozialen Belastungen im Rahmen der COVID-19-Pandemie basierend auf Empfehlungen der WHO, der IASC und des IRK. Es werden Informationen für die Allgemeinbevölkerung sowie für den Umgang mit spezifischen Gruppen, nämlich Isolierten, Kindern und älteren  Menschen gegeben. Dabei stehen im Zentrum die Normalisierung von Emotionen, soziale Unterstützung, das Nutzen seriöser Informationsquellen sowie jeweils Hinweise für den spezifischen Umgang mit den genannten Gruppen.

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Mertens G, Gerritsen L, Salemink E, Engelhard I - Preprint on the Psyarxiv server, which has not yet gone through a review process, so the results must be interpreted with care. (2020) Fear of the coronavirus (COVID-19): Predictors in an online study conducted in March 2020. https://psyarxiv.com/2p57j/ last accessed on 11.05.2020).  

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen in der Allgemeinbevölkerung (439 Teilnehmer aus den Niederlanden und 27 weiteren Ländern) zu den Prädiktoren von Angst im Rahmen der Coronavirus-Pandemie vom 14. bis 17.03.2020. Als relevante Faktoren erweisen sich hierbei das Infektionsrisiko für nahestehende Personen, die Intoleranz gegenüber Ungewissheit, gesundheitsbezogene Ängste sowie vermehrte Medienexposition. Im Umgang mit der Angst vor dem Coronavirus wird empfohlen, Medienexposition zu reduzieren, Informationen über Risiko und Richtlinien klar und möglichst objektiv zu übermitteln und Angst induzierende mediale Appelle zum Durchsetzen von Maßnahmen zu vermeiden.

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Veer IM, Riepenhausen A, Zerban M, et al (2020) Preprint on the Psyarxiv server, which has not yet gone through a review process, so the results must be interpreted with care. Mental Resilience in the Corona Lockdown: First Empirical Insights from Europe. https://psyarxiv.com/4z62t (last accessed on 11.05.2020).

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen (Verteilung per Snowball-Sampling-Strategie) bei 5000 Befragten aus der europäischen Allgemeinbevölkerung zu Resilienz während der aktuellen COVID-19-Pandemie. Die Messung der Resilienz erfolgt definiert als psychische Gesundheit (gemessen mit dem GHQ-12 bezogen auf die letzten zwei Wochen) trotz Exposition gegenüber Stressfaktoren. Eine positive Neubewertung insbesondere bezüglich der Konsequenzen der aktuellen Pandemie, aber auch andere protektive Faktoren wie die allgemeine Erholungsfähigkeit nach stressvollen Ereignissen korrelieren mit Resilienz. Stressfaktoren werden identifiziert. Die Ergebnisse werden in den Kontext bisheriger Resilienzforschung gesetzt.

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Mazza C, Ricci E, Biondi S, Colasanti M, Ferracuti S, Napoli C, Roma P (2020) A nationwide survey of psychological distress among Italian people during the COVID-19 pandemic: immediate psychological responses and associated factors. Int J Environ Res Public Health. May 2 2020;17(9). DOI:10.3390/ijerph17093165

Fragebogenbasierte Querschnittsstudie zu psychologischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in der italienischen Allgemeinbevölkerung mit 2766 Teilnehmern. Umfragezeitraum 18. bis 22.03.2020. 17% der Befragten berichten eine stark, 15,4% eine sehr stark ausgeprägte depressive Symptomatik (>20 bzw. >27 in der DASS-21-Subskala zu Depressivität). 7,2% der Teilnehmer geben stark, 11,5% sehr stark ausgeprägte Angstsymptome an (>14 bzw. >19 in der DASS-21-Subskala zu Angstsymptomatik). Bei 14,6% der Befragten zeigen sich erhöhte, bei 12,6% stark erhöhte Werte für Stresssymptome (>26 bzw. >34 in der DASS-21-Subskala zu Stress). Vergleiche mit Normdaten zeigen erhöhte Werte in den drei Kategorien. Als Risikofaktoren werden unter anderem weibliches Geschlecht, belastende Ereignisse in der Vorgeschichte, Vorerkrankungen, junges Lebensalter und Infektionen im sozialen Umfeld identifiziert.

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Gao J, Zheng P, Jia Y, et al (2020) Mental health problems and social media exposure during COVID-19 outbreak. PLOS One. 2020; 15: e0231924

Fragebogenbasierte Querschnittsstudie zu psychischer Belastung bei der chinesischen Allgemeinbevölkerung während der COVID-19-Pandemie mit 4872 Teilnehmern. Umfragezeitraum 31.01. bis 02.02.2020. 48,3%  der Befragten berichten über depressive Symptomatik (WHO-5-Score<13), 22,6% über Angstsymptomatik (GAD-7-Score >9) und 19,4% über die Kombination von beidem.  Im Vergleich mit Normdaten für die chinesische Bevölkerung weisen diese Werte auf eine erhöhte Prävalenz psychischer Belastung hin. Verschiedene Risikofaktoren werden identifiziert, darunter ein reduzierter wahrgenommener Gesundheitsstatus sowie häufige Exposition gegenüber sozialen Medien. Als Schutzfaktor zeigen sich u. a. das Leben in ländlichen Regionen, höherer Bildungsabschluss und ein Wohnort außerhalb der Provinz Hubei.

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Gonzalez-Sanguino C, Ausin B, Castellanos M, et al (2020) Mental Health Consequences during the Initial Stage of the 2020 Coronavirus Pandemic (COVID-19) in Spain. Brain Behav Immun. 2020

Erste Querschnittsbefragung zu psychischer Belastung in der spanischen Allgemeinbevölkerung während der COVID-19-Pandemie mit 3480 Teilnehmern per Online-Fragebogen. Umfragezeitraum 21. bis 28.03.2020.  18,7% der Befragten berichten depressive Symptome (Messinstrument PHQ-2), 21,6% Angst- (Messinstrument GAD-2) und 15,8% posttraumatische Belastungssymptome (Messinstrument PCL-C-2). Als protektive Faktoren werden u. a. spirituelles Wohlbefinden, höheres Lebensalter, finanzielle Sicherheit und Zufriedenheit mit der Informationslage durch die Medien identifiziert, als Risikofaktoren Einsamkeit, weibliches Geschlecht, mögliche COVID-19-Symptome, vorbestehende psychische oder neurologische Erkrankungen und Infektionen bei nahestehenden Personen.

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Tian F, Li H, Tian S, Yang J, Shao J, Tian C (2020) Psychological symptoms of ordinary Chinese citizens based on SCL-90 during the level I emergency response to COVID-19. Psychiatry Res. 2020; 288: 112992

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen zu psychischer Belastung während der COVID-19-Pandemie in der chinesischen Allgemeinbevölkerung. Umfragezeitraum 31.01. bis 02.02.2020.  132 der 1062 Befragten berichten allgemeine psychische Belastung (Messinstrument SCL-90, GSI-T-Score ≥ 63). Im Vergleich mit Normdaten für die chinesische Allgemeinbevölkerung von 1986 ergeben sich erhöhte Werte für alle Subscores des SCL-90-Fragebogens, etwa zu Depressivität, Zwangs-, Angst- und Somatisierungssymptomatik. Als Risikofaktoren werden unter anderem ein höheres Lebensalter, geringerer Bildungsabschluss sowie Gesundheitsberufe identifiziert.

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Psychologische Auswirkungen auf Mitarbeitende im Gesundheitswesen

Kang L, Ma S, Chen M, Yang J, Wang Y, Li R, Yao L, Bai H, Cai Z, Xiang Yang B, Hu S, Zhang K, Wang G, Ma C, Liu Z (2020) Impact on mental health and perceptions of psychological care among medical and nursing staff in Wuhan during the 2019 novel coronavirus disease outbreak: A cross-sectional study.. Brain, Behavior, and Immunity. S0889-1591(20)30348-2. doi: 10.1016/j.bbi.2020.03.028

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen zu psychischer Gesundheit im Rahmen des COVID-19-Ausbruchs unter Gesundheitspersonal in Wuhan vom 29.01. bis 04.02.2020 mit 994 Teilnehmern.  Daten zu Demographie, Exposition zu COVID-19, psychologischen Symptomen, subjektiver Gesundheitswahrnehmung sowie Inanspruchnahme und Bedürfnissen psychologischer Unterstützung werden erhoben. 28,6% der Befragten berichten moderate bis schwere psychologische Auswirkungen.  Als Risikofaktor wird die Exposition zu COVID-19, als Risikogruppe werden junge Frauen identifiziert. Es zeigt sich eine negative Korrelation zwischen Inanspruchnahme psychologischen Informationsmaterials und Schwere der Symptome. Eine Ausweitung personalisierter psychologischer Hilfsangebote erscheint sinnvoll.

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Mo Y, Deng L, Zhang L, Lang Q, Liao C, Wang N, Qin M, Huang H (2020) Work stress among Chinese nurses to support Wuhan for fighting against the COVID-19 epidemic. J Nurs Manag. doi: 10.1111/jonm.13014

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen zur Arbeitsbelastung im Rahmen der COVID-19-Pandemie unter 180 chinesischen Pflegefachkräften, die mit COVID-19-Patienten arbeiten,. Es werden im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöhte Arbeitsbelastung (Stress Overload Scale) und vermehrte Angstsymptomatik (Self-rating Anxiety Scale) berichtet. Mehrere Einflussfaktoren werden identifiziert, darunter Arbeitszeit und Geschwisterlosigkeit.

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Sani G, Janiri D, Di Nicola M, Luigi Janiri L, Ferretti S, Chieffo D (2020) Mental health during and after the COVID-19 emergency in Italy. Psychiatry Clin Neurosci. doi: 10.1111/pcn.13004. [Epub ahead of print]

Brief an den Herausgeber. Vor dem Hintergrund der ernsten Situation in Italien im Rahmen der Corona-Pandemie sowie dem zu befürchtenden erhöhten Aufkommen psychischer Erkrankungen wird eine verstärkte Beteiligung von Psychiatern und Psychologen an Arbeitsausschüssen zur Gesundheitsversorgung gefordert.

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Tavares Lima CK, De Medeiros Carvalho PM, Silva Lima IA, De Oliveira Nunes JV, Saraiva JS, de Souzab RI, Lima da Silva CG, Rolim Neto ML (2020) The emotional impact of Coronavirus 2019-nCoV (new Coronavirus disease). Psychiatry Research. 287: 112915. doi: 10.1016/j.psychres.2020.112915

Übersichtsarbeit von Anfang März 2020. Verschiedene chinesische  Autoren haben im Zuge der COVID-19-Krise die psychische Vulnerabilität von Patienten, Arbeitenden im Gesundheitssystem und alten Menschen, Lücken im Gesundheitssystem in Notfällen und einen Anstieg psychologischer Probleme aufgezeigt. Ein neues psychologisches Krisen- Interventionsmodell über Internetplattformen wurde für China entwickelt. Bisher gibt es kein Training für Mental-Health-Care-Versorgung in Isolation.

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Alikhani R, Salimi A, Hormati A, Aminnejad R (2020) Mental health advice for frontline healthcare providers caring for patients with COVID-19. Can J Anaesth. 2020 Apr 6 : 1–2. doi: 10.1007/s12630-020-01650-3

Brief an den Herausgeber. Empfehlungen zum Umgang mit psychologischen Belastungen für Gesundheitspersonal in Kontakt mit COVID-19-Patienten basierend auf Erfahrungen mit dem Virus im Iran. Im Mittelpunkt stehen Hinweise zur Selbstfürsorge, zur regelmäßigen Information sowie zum Aufrechterhalten sozialer Kontakte und Kommunikation.

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Zhang W, Wang K, Yin L, Zhao W, Xue Q, Peng M, Min B, Tian Q, Leng H, Du J, Chang H, Yang Y, Li W, Shangguan F, Yan T, Dong H, Han Y, Wang Y, Cosci F, Wang H (2020) Mental Health and Psychosocial Problems of Medical Health Workers during the COVID-19 Epidemic in China. Psychother Psychosom.. 2020 Apr 9: 1-9. doi: 10.1159/000507639

Nicht repräsentative fragebogenbasierte Querschnittsstudie zu psychologischer Belastung im Rahmen der COVID-19-Pandemie bei Gesundheitspersonal und anderen Berufen in ganz China mit 2182 Teilnehmern. Umfragezeitraum vom 19.02. bis 06.03.2020. Verbreitung im Internet über die Plattform Wenjuanxing. 10,4% der Befragten berichten über Angstsymptomatik (GAD-2>2), 10,6% über depressive Symptomatik (PHQ-2>2), 33,9% über Schlafstörungen (ISI>7). Verschiedene Risikofaktoren bzw. -gruppen werden identifiziert, darunter Gesundheitsberufe, weibliches Geschlecht, Leben in ländlichen Gebieten, Kontakt zu COVID-19-Patienten und das Vorhandensein organischer Erkrankungen.

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Lu W, Wang H, Lin Y, Li L (2020) Psychological status of medical workforce during the COVID-19 pandemic: A cross-sectional study. Psychiatry research. 2020; 288: 112936.

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen zu psychologischer Belastung während der COVID-19-Pandemie bei 2042 Gesundheitsfachkräften sowie 247 Verwaltungsangestellten.  25,5%% des Gesundheitspersonals berichten Angst- (HAMA>6;  NRS zu Angst 70,6%>3), 12,1% depressive  Symptomatik (HAMD>6).  Es zeigen sich deutlich geringere Prävalenzzahlen bei Verwaltungspersonal. Als Risikofaktor wird neben der Arbeit in einem Gesundheitsberuf der Hochrisikokontakt mit COVID-19-Patienten identifiziert. 

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Xiao H, Zhang Y, Kong D, Li S, Yang N (2020) The Effects of Social Support on Sleep Quality of Medical Staff Treating Patients with Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) in January and February 2020 in China. Medical science monitor. 2020; 26: e923549

Nicht repräsentative fragebogenbasierte  Querschnittsstudie zu psychologischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie bei 180 Gesundheitsfachkräften aus Wuhan im Januar und Februar 2020. Es werden Angstsymptomatik (Mittelwert  55,256 ± 14,183 im SAS), Schlafstörungen (Mittelwert 8,583 ± 4,567 im PSQI, Normdaten: 7) und Stresssymptomatik (Mittelwert 77,589 ± 29,525 im SASR) berichtet. Als protektive Faktoren werden Selbstwirksamkeit und soziale Unterstützung, als Risikofaktoren für Schlafstörungen Angst und Stress mittels Strukturgleichungsmodell identifiziert.

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Cai W, Lian B, Song X, Hou T, Deng G, Li H (2020) A cross-sectional study on mental health among health care workers during the outbreak of Corona Virus Disease 2019. Asian journal of psychiatry. 2020; 51: 102111

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen unter 1198 Gesundheitsfachkräften (davon 147 erfahren in Krisensituationen) und 323 nicht im Gesundheitswesen tätigen Personen aus der chinesischen Provinz Jiangsu zu psychischen Auswirkungen, Resilienz und sozialem Rückhalt während der COVID-19-Pandemie. 14,1% der Befragten berichten psychische Auswirkungen (gemessen mit dem SCL-90-Fragebogen). Frühere Erfahrungen mit Notfällen im Bereich der öffentlichen Gesundheit werden als protektiver Faktor für die psychische Gesundheit identifiziert und sind positiv mit der Resilienz (gemessen mit der CD-RISK-Skala) und dem sozialen Rückhalt (gemessen mit der SSRS-Skala) assoziiert. Es zeigt sich, dass Resilienz und sozialer Rückhalt bei Gesundheitspersonal ohne Krisenerfahrung negativ mit der psychischen Gesundheit korrelieren.

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Yin Q, Sun Z, Liu T, et al (2020) Posttraumatic Stress Symptoms of Health Care Workers during the Corona Virus Disease 2019 (COVID-19). Clin Psychol Psychother. 2020

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen zu posttraumatischer Belastungssymptomatik bei chinesischem Gesundheitspersonal im Rahmen der COVID-19-Pandemie mit 377 Teilnehmern. Umfragezeitraum 01. bis 05.02.2020. 3,8% der Befragten berichten über posttraumatische Belastungssymptomatik (PCL-5 > 33). Weibliches Geschlecht, Exposition gegenüber COVID-19-Patienten und schlechte Schlafqualität werden als Risikofaktoren identifiziert.

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Kisely S, Warren N, McMahon L, Dalais C, Henry I, Siskind D (2020) Occurrence, prevention, and management of the psychological effects of emerging virus outbreaks on healthcare workers: rapid review and meta-analysis. BMJ. 2020; 369: m1642

Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zu 59 Studien über psychologische Auswirkungen von Ausbrüchen viraler Erkrankungen auf Gesundheitspersonal basierend auf einer Literatursuche in mehreren Datenbanken bis Ende März 2020. In den 25 zur Metaanalyse herangezogenen Arbeiten wird eine höhere psychische Belastung bei Gesundheitspersonal mit Kontakt zu infizierten Patienten berichtet. Zahlreiche Risikofaktoren und schützende Faktoren werden identifiziert und auf deren Grundlage Empfehlungen zum Umgang mit der derzeitigen COVID-19-Pandemie formuliert. Dabei stehen Maßnahmen mit Bezug auf Kommunikation, Zugang zu Schutzausrüstung, Arbeitspausen sowie praktische und psychologische Unterstützung im Mittelpunkt.

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Wu K, Wei X (2020) Analysis of Psychological and Sleep Status and Exercise Rehabilitation of Front-Line Clinical Staff in the Fight Against COVID-19 in China. Med Sci Monit Basic Res. 2020; 26: e924085

Querschnittsstudie via Online-Fragebogen zu psychischer Belastung bei Gesundheitspersonal  einer chinesischen COVID-19-Spezialklinik während der COVID-19-Pandemie. Als Vergleichgruppe werden 60 Gesundheitsfachkräfte einer nicht auf COVID-19 spezialisierten Klinik herangezogen. Bei untersuchten Gruppe ergeben sich höhere Werte für Schlafstörungen, Depressivität, Angstsymptomatik, posttraumatische Symptomatik sowie allgemeine psychische Belastung(Messinstrumente PSQI, SDS, SAS, PCL-C und SCL-90) als in der Vergleichsgruppe.

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Pappa S, Ntella V, Giannakas T, Giannakoulis VG, Papoutsi E, Katsaounou P (2020) Prevalence of depression, anxiety, and insomnia among healthcare workers during the COVID-19 pandemic: A systematic review and meta-analysis. Brain Behav Immun. 2020

Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zur Prävalenz von Depressivität, Angstsymptomatik und Schlafstörungen bei Gesundheitspersonal während der COVID-19-Pandemie basierend auf einer Literatursuche in verschiedenen Datenbanken. Nach gebündelten Analysen der 13 eingeschlossenen Studien berichten insgesamt 23,2% der Befragten in elf Studien über Angstsymptomatik, 22,8% der Teilnehmer in zehn Veröffentlichungen über depressive Symptomatik und 38,9% der Gesundheitsfachkräfte in vier Umfragen über Schlafstörungen. Eine Auswertung nach Untergruppen zeigt höhere Depressivitäts- und Angstraten bei Frauen und Pflegepersonal.

 

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Lai J, Ma S, Wang Y, Cai Z, Hu J, Wei N, Wu J, Du H, Chen T, Li R, Tan H, Kang L, Yao L, Huang M, Wang H, Wang G, Liu Z, Hu S (2020) Factors associated with mental health outcomes among health care workers exposed to Coronavirus disease 2019. JAMA Network Open. 3(3):e203976. doi:10.1001/jamanetworkopen.2020.3976

Fragebogenbasierte Querschnittsstudie (1257 Teilnehmer) unter chinesischem Gesundheitspersonal in 34 Krankenhäusern verschiedener Regionen zu psychischer Gesundheit im Rahmen der Coronavirus-Pandemie. Umfragezeitraum 29.01. bis 03.02.2020. Es berichten 50,4% der Befragten über depressive Symptome (PHQ-9>8),  44,6% über Angst-(GAD-7>6),  71,5% über Stress-Symptome (IES-R>25) sowie 34% über Schlafstörungen (ISI>14). Risikogruppen waren Pflegepersonal (im Vgl. zu Ärzten), Frauen, Gesundheitspersonal in direktem Kontakt mit an COVID-19 Erkrankten und Personen aus Wuhan. Weitere Einflussfaktoren waren berufliche Position und Art des Krankenhauses.

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Petzold MB, Plag J, Ströhle A (2020) Umgang mit psychischer Belastung bei Gesundheitsfachkräften im Rahmen der Covid-19-Pandemie. . Nervenarzt. doi: 10.1007/s00115-020-00905-0

Hinweise zur Reduktion von Stress und psychischen Belastungen für Gesundheitspersonal auf der Basis von Empfehlungen der WHO und der IASC. Durch die Corona-Pandemie werden Gesundheitsfachkräfte in besonderem Maße allgemeinen und pandemiespezifischen Stressfaktoren ausgesetzt. Dies führt zu Angst und negativen Gefühlen, welche einerseits eine normale Reaktion auf die Ereignisse darstellen, andererseits zum vermehrten Auftreten psychischer Erkrankungen führen können. Prävention ist essenziell für Einzelpersonen und für das Funktionieren des Gesundheitssystems. Empfehlungen für Gesundheitspersonal und deren Führungskräfte zum Umgang mit Stress werden gegeben.  Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem das Zulassen von Stress und starken Emotionen, soziale Unterstützung und die Berücksichtigung von Grundbedürfnissen und Selbstfürsorge.

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